Sie

Sie

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  • Beitrags-Kategorie:Poesie

SIE steht plötzlich einfach da,
macht mir unmissverständlich klar:
„Das läuft so nicht, was machst du bloß?
Deine Träume waren doch so groß?“

Jetzt sitz ich hier und schau SIE an.
Wie sag ich ihr, dass ich’s nicht kann.
Ich kann nicht losgehen, mich aufraffen,
all die großen Sachen schaffen.

Ich habe Angst, steck zu tief drin,
in Hamsterrads „Du-musst-Wahnsinn“.
Für Träume ist hier kein Platz mehr,
und Glücklich-sein fällt mir so schwer.

SIE sieht den Schmerz in meinen Augen,
flüstert: „Du musst nur an dich glauben!
Und wenn du das nicht kannst – glaub mir!
Du schaffst das, ich vertraue dir.“

Ich werd ganz klein und fühl mich schwach,
so als wär ich schon seit immer wach.
Will SIE nicht enttäuschen, dieses liebe Ding,
ich weiß noch wie ich an ihr hing!

An meinem süßen, jungen Kinder-Ich,
in ihrem Gesicht seh ich noch mich.
Mich aus helleren, schöneren Zeiten,
ich würd SIE gern dorthin begleiten.

Wieder SIE sein und einfach leben,
spielen, lachen, tanzen im Regen.
Klar ist auch SIE nicht sorgenfrei,
Verlust hängt an ihr, wie ein Stück Blei.

Und doch hat sie dieses Urvertrauen,
lächelt und strahlt beim Luftschlösser bauen.
Ist so unglaublich stark und kreativ,
hört auf ihren Bauch, verzichtet auf Mief.

Folgt ihrem Herzen und glaubt an Magie,
ist ein kleines Mitgefühls- und Gute-Laune-Genie.
Sie traut sich zu weinen, fühlt sich nicht dumm,
sie sagt was sie denkt und bleibt nicht stumm.

Sie ist so wild und roh und naturverbunden,
Wie sehr hab ich sie nur geschunden?
Hab uns beide verbogen und angepasst,
hineingesteckt in einen kleinen Seelenknast.

Jetzt werde ich wütend und nehm ihre Hand,
ich seh es plötzlich klar: Wir stehen am Rand.
Am Rand einer Welt, die unser Glück nimmt als Pfand.
Arbeiten uns auf, den Rücken zur Wand.

Eine Welt voller Menschen – so unmenschlich doch,
wenn wir uns selbst vergessen – was haben wir noch?
SIE lächelt mir zu, sieht mich hoffnungsvoll an,
und zieht mich vollkommen in ihren Bann.

Unsere Herzen schlagen nun wieder synchron,
ich seh uns schon sitzen auf dem Luftschlösserthron.
„Ich erinnere mich, Kleines“ sage ich sanft.
Plötzlich ist alles leicht und unverkrampft.

„Danke“, haucht SIE und drückt mich fest,
„ich weiß, das Leben ist manchmal ein Test.
Aber vergiss mich nicht mehr, denn ich bin doch du,
und du selbst sein gehört zum Glück dazu!“

©Anne Dippl – myownlittlecloud – 2021