Drama Baby! Warum kleine Dinge zum großen Problem werden…

Anne im Urlaub bei ihren kleinen großen Dramen

Du sitzt im Auto. Hast es eilig. Wieder mal bist du erst kurz vor knapp losgefahren. Und jetzt hängst du hinter dieser Schnarchnase fest. Vor jeder Kurve bremst er auf 30 ab. In dir beginnt es zu brodeln. Was ist nur los mit dem?!? 

So fängt es an, das große Drama. Die Auto-Situation kommt dir bestimmt nur allzu bekannt vor. Und glaub mir, ich bin auch ein kleiner Autofahr-Choleriker.

Wie oft ich in meinem Wagen sitze und die Autos vor mir, oder Ampeln, oder LKWs anschreie, kann ich gar nicht zählen. Pauschal würde ich sagen, dass ich einmal pro Woche einen unnötigen Auto-Wutanfall habe. „Unnötig“ weil dadurch weder die Uhr langsamer läuft, noch das Fahrzeug vor mir schneller fährt oder sich der Verkehr auflöst.

Wobei Wut natürlich eines der Grundgefühle des Menschen ist. Seine Schwestern und Brüder sind die Angst, die Traurigkeit, der Ekel, Überraschung und Freude. Es ist also normal, dass ein- bis zweimal die Woche Emotionen hochkochen und wir uns mächtig ärgern.

Doch wo soll der Ärger dann hin?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  • aushalten und „in sich hineinfressen“
  • oder dem Ärger Luft machen und sich abreagieren

Was die bessere Variante ist, hängt ganz klar von der Situation ab.

Ist es ein Kinkerlitzchen wie zugefrorene Autoscheiben im Winter oder der Bus, der einem vor der Nase wegfährt, wobei in 5 Minuten der nächste kommt, dann ist das die Wut nicht wert.

Das Gleiche gilt übrigens für alle möglichen Autofahr-Szenarien. 🙂

Lässt du in so einer Situation deinem Zorn freien Lauf, dann ist er zwar nach einiger Zeit scheinbar verraucht (meistens dauert es höchstens eine Stunde), brodelt aber insgeheim in dir weiter.

Ich kenne das gut von mir:

Wenn ich mit dem falschen Fuß aufstehe, meine plattgedrückten Haare im Spiegel sehe und mir am Frühstücks-Tee die Zunge verbrenne, dann schleicht sich die erste emotionale Irritation ein.

Ich fluche leise, sage mir “Alles gut, das wird schon”, glaube es aber selbst nicht und verdrehe innerlich die Augen.

Regnet es dann noch oder ich fühle mich in meiner Jeans irgendwie nicht wohl, wird aus der Irritation langsam Frustration.

Die aufgesetzt positiven Gedanken werden gleich eine Spur hysterisch. Die Stimme in mir immer schriller: “Alles gut, das wird schon.”

Von wegen.

Zu meinem Unglück fehlt an solchen Tagen dann nämlich nur noch die Schnarchnase im Auto vor mir und schon bin ich bei bebendem Zorn angelangt.

Und der brodelt hoch, kocht scheinbar ab und bleibt doch. Bis zum nächsten Kinkerlitzchen, das dann schnell zum großen Drama mutiert.

Es muss nicht sein, dass dadurch der komplette Tag verloren geht.

Deshalb kleine Wut-Auslöser getrost auch mal runterschlucken. Klar gehen sie nicht runter wie Öl und kratzen im Hals, doch du wirst erkennen:

Gelassen sein heißt, die Dinge loszulassen, die du mit Wut und Drama sowieso nicht ändern kannst.

Das Geldwechsel-Drama auf Koh Tao

Wir waren abends zu spät bei der Wechselstube und hatten umgerechnet nur noch 80 Cent in Thailändischen Baht. Essen gehen war also nicht mehr drin. Wir haben uns dann im nächsten SevenEleven Instant-Nudeln für 60 Cent gekauft. Zwar ein Abenteuer aber bei dem Gedanken an leckeres Thai-Food auch ein Stimmungskiller.

Am nächsten Tag ging es also gleich wieder zum Wechselschalter. Doch das Häuschen war leer. Mein Blut begann schon zu brodeln.  Nach einer Stunde war immer noch kein Mitarbeiter in Sicht und the Drama was on!

Kannst du dir denken, was das Problem war?

Der Mitarbeiter in der Wechselstube saß einfach nur außerhalb des Blickfeldes an seinem Schreibtisch. Einfaches Klopfen nach knapp zwei Stunden warten, genügte. So einfach kann es sein. Und so schwer macht man es sich selbst manchmal.

Aber Stopp!

Es gab auch noch eine zweite Möglichkeit mit Ärger umzugehen.

Das Abreagieren und Alles-rauslassen.

Auch das hat seine Daseinsberechtigung und ist der Antrieb für Veränderungen. Denn es gibt Dinge, die lassen sich auch mit viel Mühe nicht hinunterschlucken. Meistens sind das dann keine Lappalien, sondern echte Brocken, die sich im Hals quer legen und stecken bleiben.

Deshalb:

Ärger kann ein Impulsgeber sein!

Oder eine drängende Mahnung unseres Körpers und Kopfes, die sagt: „Hey Du, ändere was!“

Deshalb solltest du dir deine Wut immer bewusst machen. Nicht vor dich hin schimpfen und fluchen und eigentlich gar nicht richtig wahrnehmen, in welchem emotionalen Ausnahmezustand du bist.

Das „Ich-bin-angepisst-Gefühl“ ist einfach schon viel zu normal und fast Dauerzustand.

Die Unzufriedenheit mit dem Job, die eingefahrene Beziehung, der langweilige Alltag. Und dann noch die beste Freundin, die sich unbedingt dein Lieblingskleid borgen will, das du ihr eigentlich gar nicht ausleihen willst…

Mach dir deinen Ärger bewusst. Merk dir aber auch, dass du nicht immer sofort handeln musst.

Deine Freundin anzuschreien, dass sie sich verdammt noch selbst ein Kleid kaufen soll und du kein Kostüm-Verleih bist, ist nämlich denkbar blöd.

Und deinem Chef beim nächsten kurzfristig anberaumten Meeting eine blöde Erwiderung ins Gesicht zu schleudern, genauso.

So ziehst du andere nur in deine Wut mit rein und löst neuen Ärger aus.

Die bessere Lösung, um mit deinem Zorn umzugehen:

Durchatmen.
Zurücktreten.
Nachdenken.
Reagieren.

Klingt easy. Ist es aber nicht.

Denn die allererste Affekthandlung – sei es beim Autofahren oder bei wirklich wichtigen Dingen, ist: Draufhauen, Ausrasten, blöd daherreden. Damit du im ersten Moment einen kühlen Kopf bewahren kannst, musst du ein bisschen trainieren. Doch es ist nicht unmöglich.

Was im Gegensatz zu den kleinen Dramen bei den großen aber auf keinen Fall funktioniert, ist, komplett gelassen zu bleiben, sich „Fuck off“ zu denken und die Wut einfach auszuknipsen.

Der positive „Alles-wird-gut-Gedanke“ in Dauerschleife führt bei tiefer seelischer Unzufriedenheit nämlich allenfalls zu Gefühlsstau.

Und in einem solchen Fall entwickelt Wut meistens erst richtig Power. Dann wird sie maßlos.

Wann Wut maßlos ist?

Immer dann, wenn der Auslöser in keinem Verhältnis zur Reaktion steht.

Ein Beispiel:

Eine einzelne, verlassene, zusammengeknüllte und gebrauchte Socke liegt knapp neben dem Dreckwäschekorb. Allein der Anblick bringt dich so zur Weißglut, dass dein Puls auf über 100 schießt und du vom Fleck weg eskalierst. Es kann doch nicht so schwer sein das Teil IN den Korb zu schmeißen…

Eine maximal-verrückte Schimpftirade auf den Socken-Täter wäre genau so eine maßlose Wutreaktion, wie sie von einem Gefühlsstau ausgelöst wird.

Dahinter steckt meistens nicht bloßer Ärger, sondern ein ganz anderes Gefühl.
Anstatt brodelndem Zorn ist es meistens kalte Einsamkeit. Oder das Gefühl hilflos zu sein, nicht wertgeschätzt zu werden. Traurigkeit oder Sehnsucht.

Vielleicht kennst du das Gefühl auch. Du brichst komplett aus dir aus. Und danach fühlst du dich leer.

Irgendwie traurig.

Genau dann beschäftigt dich im Moment eigentlich etwas ganz anderes, deine Wut ist nur das Ventil, durch das du die aufgestauten Gefühle rauslässt.

Du tauscht das Schwächegefühl – also die Hilflosigkeit, Einsamkeit und Traurigkeit – gegen ein Machtgefühl.

Dass du durch cholerisches Schreien und Toben allerdings auch keine wirkliche Macht erhältst (weder über die Situation noch über deine Gefühle) wird dir meist erst später bewusst.

In dem Fall solltest du ehrlich mit dir selbst sein und dich auf die Suche nach dem wahren Auslöser für dein Drama machen. 

Vielleicht fühlst du dich schlicht überfordert und brauchst eine Pause. Oder du fühlst dich vernachlässigt und sehnst dich nach einer Umarmung von einem lieben Menschen.

Oder du hast Hunger. Das ist zum Beispiel bei mir ganz oft der Grund für Zickereien… 😉

Das WLAN-Drama in Thailand

Eigentlich gibt es in Thailand ja überall WLAN. Zumindest gefühlt. In jedem Restaurant und manchmal sogar am Strand, wenn in der Nähe eine Beach-Bar ist.

Doch bis zu unserer Hütte in der tropischen Vegetation, kam das Hotel-WLAN nicht ganz durch. DRAMA! 

Das WLAN war einfach viel zu schwach und Fotos senden, WhatsApp-Nachrichten empfangen und Facebooken ging nur in der Lobby wirklich. Eigentlich ja nicht tragisch. Aber mein Blick spricht wohl Bände:

No WLAN – No Happy Anne.

Wie oft ich geflucht wegen des WLANS geflucht habe… Vertane Energie mitten an einem der schönsten Fleckchen der Erde, wo ich es trotzdem geschafft habe mich von Kleinigkeiten vom Genießen abhalten zu lassen.

Warum uns selbst Kleinigkeiten immer wieder zu Drama-Queens (und -Kings) werden lassen, liegt an einem simplen psychologischen Effekt.

Der Konditionierung.

Unser Körper ist darauf ausgelegt uns vor dem, was uns unangenehm ist zu schützen.

Negative Erfahrungen bleiben in unserem Kopf hängen, die entsprechenden Gefühle und emotionalen Reaktionen verfestigen sich.

Sobald du wieder in eine Situation kommst, die dich reizt – und sei es nur ein kleines bisschen – dann wird der negative Effekt verstärkt.

Im Klartext: Kleinigkeiten werden zum großen Drama.

Stresshormone schießen plötzlich schon bei Lappalien durch den Körper und der Cocktail aus Wut und Unzufriedenheit lässt uns schneller hochgehen, als uns selbst lieb ist.

Doch du weißt jetzt, welche Möglichkeiten du hast, mit deinen kleinen Dramen umzugehen.

Und auch wie du die wirklichen großen Dramen bewältigst und hinter die Kulissen maßloser Wut blickst.

Zum Schluss noch einmal die wichtigsten drei Ratschläge zu kleinen (und nicht so kleinen) Dingen, die zum großen Problem werden (kann man sich auch gut für den nächsten Auto-Wutausbruch zu Herzen nehmen):

  1. Ändere deinen einprogrammierten Drama-Kanal, indem du versuchst dich in Situationen, die dein Drama-Trigger sind, zu beruhigen.
    Dabei gilt: Erst einmal tief durchatmen ist ein simpler aber tatsächlicher wirkungsvoller Tipp, um die affektive Stress-Reaktion umzutrainieren.


  2. Lerne zu differenzieren zwischen Kinkerlitzchen für die die Energie zu schade ist und der echten Wut, die als Motor für Veränderung dient.
    Dabei gilt: Handle nicht in Wut, sondern lerne den Ärger auszuhalten und erst mit einem kühlen Kopf zu reagieren.

     

  3. Vergib dir dein Drama und das was passiert ist. Wut gehört zu den Basis-Emotionen und zum Leben wie das Atmen. Immer nur glücklich und positiv ist keiner.
    Dabei gilt: Es dauert bis du kleine Dramen mit Gelassenheit nehmen und die großen Probleme ohne Stress angehen kannst. Manchmal reicht es schon, wenn du dir während deines Wutanfalls bewusst wirst, dass du dir gerade wieder dein eigenes kleines Drama erschaffst. Denn Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. 🙂

Das Elefanten-Foto-Desaster

Mitten im wundervollen Udawalawe-National-Park im wunderschönen Sri Lanka.

Plötzlich ein wilder Elefant nur gut 10 Meter von unserem Jeep entfernt. Ein Wahnsinns-Gefühl!

Wir knipsten natürlich wie verrückt mit unseren Kameras. Jeder wollte ein Foto mit dem majestätischen Dickhäuter. Aber mir ging das nicht schnell genug. Es dauerte einfach viel zu lange, bis der Autofokus den Elefanten und mich scharf gestellt hatte.

Jetzt habe ich dank meines persönlichen Drama-Moments eben ein etwas anderes Erinnerungsfoto… 🙂

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